Vom Auf­stieg der Mar­ken

Der Ar­ti­kel von Marquardt+Compagnie er­zählt vom Nie­der­gang der Mar­ken und be­rührt Ge­dan­ken, die mich schon lan­ge um­trei­ben. All das Ge­sag­te ist rich­tig, na­tür­lich, aber um ge­sun­den Men­schen­ver­stand geht es in die­sen Ta­gen kaum. Bei­na­he ri­tua­li­siert wer­den die im­mer glei­chen Feh­ler in der Mar­ken­füh­rung ge­macht, man hat es eben so ge­lernt. Viel­leicht ist es auch das schlich­te Pech ei­ner Ge­ne­ra­ti­on von Füh­rungs­kräf­ten, dass sie in der Ket­te ei­nes Schnee­ball­sys­tems der Er­geb­nis­ma­xi­mie­rung an ei­ner Po­si­ti­on ins Ren­nen ge­schickt wer­den, die nach Ende schmeckt. Da­bei müss­te man nur ein biss­chen um­den­ken: Jene im Ar­ti­kel ge­nann­ten Me­cha­nis­men der Ver­än­de­rung stel­len nicht nur die Mar­ke auf den Prüf­stand, son­dern bie­ten durch die kri­ti­sche Hal­tung ei­ner ir­ri­tier­ten Ge­sell­schaft auch rie­si­ges Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al. Kri­tik ist nie­mals nur Ge­fahr, son­dern im­mer auch Chan­ce.

In Zei­ten, die für Men­schen an Viel­falt so üp­pig sind wie nie­mals zu­vor, wächst nicht nur das Maß an Mög­lich­kei­ten, son­dern auch das der Ver­un­si­che­rung. Kau­fe ich das rich­ti­ge Pro­dukt? Was ist drin? Wie ist das Klein­ge­druck­te zu le­sen, wo kommt das Pro­dukt ei­gent­lich her, und wer­de ich wie­der er­ken­nen müs­sen, dass die Bi­lanz be­züg­lich der Nach­hal­tig­keit un­ter al­len Stri­chen ver­hee­rend ist? Muss ich das tat­säch­lich selbst ma­chen, um si­cher zu ge­hen? Wer sehnt sich in solch kom­pli­zier­ten Zei­ten nicht nach Ver­ein­fa­chung, zwar sind die in­di­vi­du­ell prä­fe­rier­ten Wer­te ei­nem je­den ein­zel­nen Men­schen klar, aber wie um Him­mels wil­len soll­te man ein­schät­zen kön­nen oder gar kon­trol­lie­ren, ob sie auch von je­nen ein­ge­hal­ten wer­den, die mich nur als Kon­su­men­ten ver­or­ten?

Es wird nicht rei­chen, die Zu­sam­men­hän­ge zu er­ken­nen und werb­lich zu nut­zen. Nur eine Mar­ke, die den Um­stän­den auch sub­stan­ti­ell ge­recht wird, eine Mar­ke, die Nach­hal­tig­keit, Ehr­lich­keit, Fair­ness und Re­spekt hin­ter sich ver­sam­melt, die wird auch per­spek­ti­visch als wert­vol­le Mar­ke ak­zep­tiert wer­den. Weg von der emo­tio­na­len Auf­la­dung und hin zu ech­ten Wer­ten, nur so kann es ge­hen, die Mar­ke als wahr­haf­ti­ges La­bel der Ver­ein­fa­chung. Ich ver­su­che all mei­ne Pro­jek­te nach die­ser Er­kennt­nis aus­zu­rich­ten, ich hal­te das für al­ter­na­tiv­los. Und eine Mar­ke, die sich die­sem Pro­zess stellt, eine Mar­ke, die ler­nen und bes­ser wer­den will, und die Ih­ren Er­folg an ganz an­de­ren Kenn­zah­len aus­rich­tet, die wer­de ich in­ter­es­sant fin­den.

Als Wer­ber, und als Kon­su­ment.