Ty­poskiz­zen­kar­tei

Die Typoskizzenkartei der Bauerschen Giesserei war ein Hilfsmittel für das typografische Skizzieren. Schriftsetzer haben sich so mit dem Zeichnen unterschiedlichen Schriften vertraut machen können.

Die Ty­poskiz­zen­kar­tei der Bau­erschen Gies­se­rei war ein Hilfs­mit­tel für das ty­po­gra­fi­sche Skiz­zie­ren. Schrift­set­zer ha­ben sich so mit dem Zeich­nen un­ter­schied­li­chen Schrif­ten ver­traut ma­chen kön­nen.

Die Kar­tei dort oben habe ich von mei­nem Va­ter ge­schenkt be­kom­men, das muss Ende der 70er-Jah­re des let­zen Jahr­hun­derts ge­we­sen sein. Er hat­te in sei­ner Leh­re als Schrift­set­zer mit ei­ner eben­sol­chen das ty­po­gra­fi­sche Zeich­nen ge­lernt und war der fes­ten Über­zeu­gung, dass auch mir eine sol­che Kar­tei hel­fen wür­de. Ich habe nie übers Herz ge­bracht, sie als wirk­li­ches Ar­beits­mit­tel zu nut­zen, zu üben und zu schei­tern, wie es ganz si­cher ge­dacht war.

Spä­ter war das an­ders, Üben und Schei­tern ist auch in der Ty­po­gra­fie mein größ­ter Lehr­meis­ter ge­wor­den. Als ich in der Schrift­set­ze­rei, in der auch mein Va­ter ar­bei­te­te, Jah­re da­na­ch aus­half, war das ein schwe­rer Weg. Die Set­ze­rei war Lay­out­set­ze­rei und ar­bei­te­te für Wer­be­agen­tu­ren, die An­sprü­che wa­ren selbst für eine so­wie­so an­spruchs­vol­le Bran­che hoch. Es gab schon die Sta­ro­ma­ten, aus dem Blei- war Fo­to­satz ge­wor­den, und die Mög­lich­kei­ten, Feh­ler zu ma­chen, wa­ren viel­fäl­ti­ger. Alle Zei­chen ei­ner Schrift wa­ren als Ne­ga­tiv auf ei­nem Film­strei­fen oder ei­ner Rol­le, und in ei­ner Dun­kel­kam­mer wur­de ein Buch­sta­be nach dem an­de­ren auf Film be­lich­tet. Das Er­geb­nis wur­de dann be­ur­teilt, hat­te man nicht sau­ber ge­ar­bei­tet, mus­s­te man mit dem Skal­pell an die Scha­dens­be­gren­zung – der Film wur­de an den mo­nier­ten Stel­len aus­ein­an­der ge­schnit­ten, neu jus­tiert und ge­klebt, dann wur­de ein Ne­ga­tiv da­von ge­macht, aus­ge­fleckt, und da­von der fi­na­le und sau­be­re Film er­stellt.

Die rich­ti­ge Spa­tio­nie­rung lern­te ich also auf eine ganz hand­fes­te Wei­se, all das ist in mei­nem Un­be­wuss­ten ver­an­kert. Viel­leicht liegt es dar­an, dass ich im Ar­beits­all­tag noch im­mer Din­ge als selbst­ver­ständ­li­ch vor­aus­set­ze, die es schon sehr lan­ge nicht mehr sind.