Tri­ge­ma

Erst ei­nen Tag her und schon weiß ich nicht mehr, wie ich dar­auf kam. Viel­leicht, weil die­se Sehn­sucht nach mehr Kom­fort im Rich­tig­ma­chen die Ge­sell­schaft durch­zieht, zu­min­dest in mei­ner Ah­nung von ihr, je­den­falls:

Die ty­pi­schen Bil­der flitz­ten mir durch den Kopf, Au­then­ti­zi­tät, Ehr­lich­keit und Nach­hal­tig­keit, Fair­ness, die Sum­me al­ler ge­fühl­ter Vor­ur­tei­le eben, voll­kom­men un­re­flek­tiert. Vor­hin woll­te ich mal nach­schau­en, ob mein al­tes Wis­sen über Tri­ge­ma über­haupt noch stimmt, wie die Pro­duk­te heu­te aus­se­hen; ob der Mann über al­lem noch im­mer und auf die glei­che Wei­se der Mann über al­lem ist; ob sie im­mer noch die Fo­tos selbst ma­chen und auf wel­che Wei­se; und wie denn die Web­sei­te aus­sieht, die ich vor­aus­ei­lend als an­ge­mes­sen an­ti­quiert ver­mu­te­te.

Tat­säch­li­ch be­ur­tei­len kann ich das auch jetzt noch nicht, denn mo­men­tan ist die Sei­te nicht er­reich­bar, es »tra­ten zu vie­le Um­lei­tun­gen auf. Dies ist mög­li­ch, wenn die ge­öff­ne­te Sei­te auf eine an­de­re Sei­te um­lei­tet, die wie­der­um auf die Ur­sprungs­sei­te ver­weist.« Wir dre­hen uns also im Kreis, wun­dert mich nicht, da­bei wür­de ein klei­ner Schritt her­aus aus der Land­lie­be rei­chen, um die Kom­mu­ni­ka­ti­on der Wer­te auf ein mo­der­nes Ni­veau zu brin­gen.

Von al­len Wer­be­ak­tio­nen, die Tri­ge­ma bis­her ver­such­te, er­in­ne­re ich mich nur an den Af­fen. Nun könn­te man sa­gen, passt doch, es ist ja Auf­ga­be der Wer­bung, dass wir uns an sie er­in­nern. Nö. Die rei­ne Er­in­ne­rung hat kei­nen Wert, wenn sie nicht po­si­tiv be­setzt ist. Auch so ein Ding, das ich als Kon­zept nicht wirk­li­ch be­grei­fe: Es mag ja sein, dass die Pe­ne­tra­ti­on von Bot­schaf­ten den klei­nen Un­ter­schied im Kauf­reiz vor Ort aus­ma­chen kann, aber eine nach­hal­ti­ge Ver­an­ke­rung – im Sin­ne ei­ner an­ge­mes­se­ne­ren Ver­bun­den­heit zwi­schen Men­sch und Pro­dukt – kann mei­ner Mei­nung nach nur auf po­si­ti­ve Wei­se ge­sche­hen, nicht durch Tech­ni­ken, die ähn­li­ch ener­vie­rend wie Ohr­wür­mer sind. Die mö­gen zwar funk­tio­nie­ren, aber eben nicht gut.

War­um Mar­ke und Un­ter­neh­men in der öf­fent­li­chen Wahr­neh­mung – zu­min­dest in mei­ner Be­ob­ach­tung – kaum eine Rol­le spie­len, kann ich nur ver­mu­ten. Mein Ver­dacht ist, dass ei­ner grö­ße­ren Ak­zep­tanz so et­was wie eine per­so­na­li­sier­te Ani­mo­si­tät im Wege steht, dass die im Grun­de hoch­mo­der­nen Wer­te kaum in ei­ner er­kenn­ba­ren Mar­ken­dy­na­mik re­sul­tie­ren, liegt si­cher auch an Un­ter­neh­mens­lei­ter Wolf­gang Grupp. Der ist zwar ein ei­ge­ner Kopf, dem man be­s­te Mo­ti­ve un­ter­stel­len darf, und si­cher auch ein fä­hi­ger Un­ter­neh­mer, aber als Testi­mo­ni­al für na­he­lie­gen­de Ziel­grup­pen ist er voll­kom­men un­ge­eig­net. Dies zu er­ken­nen und die not­wen­di­gen Schlüs­se zu zie­hen, scheint mir das größ­te Pro­blem. Das ist ein biss­chen scha­de, denn falls die Rea­li­tät des Un­ter­neh­mens den äu­ße­ren Schein tat­säch­li­ch ein­lös­te (was zu über­prü­fen wäre), dann ist Tri­ge­ma eine Mar­ke, der man auf sehr gro­ße Sprün­ge hel­fen kann.