tl;dr

Noch im­mer weh­re ich mich ge­gen alle Un­ken, noch im­mer geht es um Zei­tun­gen, das im­mer glei­che Für und Wi­der. Sie sol­len nicht ver­schwin­den, sie sol­len sich än­dern – was ich hier in Frag­men­ten an­ge­deu­tet habe, setzt sich aus be­ru­fe­ne­rem Mun­de dort fort. Ich mag, was die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­le­rin Mi­ri­am Me­ckel schreibt, es ge­hört zu dem we­ni­gen, was ich in den letz­ten Ta­gen las. Kom­me ja kaum noch dazu, das mit dem Le­sen ist nicht so ein­fach, ich kann mich nur schwer an Zei­ten er­in­nern, wo es mir leicht fiel. An­statt also die rich­ti­gen Zei­tun­gen zu kau­fen und sie ganz tat­kräf­tig zu stüt­zen, blei­ben mei­ne Ret­tungs­ver­su­che fern­ab al­len Le­sens theo­re­ti­sch.

In bei­den De­fi­zi­ten füh­le ich mich nicht al­lein, we­der im chro­ni­schen Geld- noch im Zeit­man­gel. Und wie das eben so ist – un­be­nom­men ei­ner nä­he­ren Un­ter­su­chung, ob eine sol­che Ver­all­ge­mei­ne­rung ganz nor­mal ist in nar­ziss­ti­schen Zei­ten, oder eine sehr ex­klu­siv be­schränk­te Sicht – habe ich das so­fort auch als zwei wei­te­re Grün­de für die Schwie­rig­kei­ten ge­druck­ten Schrei­bens aus­ge­macht, den Geiz, so schlüs­sig er auch sein mag, und die Zeit­not.

Ich fin­de schlicht die Ruhe nicht mehr, die ich zwin­gend be­nö­ti­ge, um mit Ge­nuss zu le­sen. Jene Tex­te, die ich le­sen muss, kein Pro­blem, und auch das be­ruf­li­ch Not­wen­di­ge geht, aber die be­son­de­re Frei­heit, die ich aus mei­ner Ju­gend er­in­ne­re, min­des­tens aber aus ru­hi­ge­ren Zei­ten, die ken­ne ich nicht mehr. Ein Kaf­fee und ein Buch oder Blatt, das fällt mir zu­neh­mend schwer. Nun kann man, oder ich, da­mit ha­dern, dass vie­les fal­sch lau­fen mag, wenn die Din­ge sich der­ma­ßen ge­stal­ten (oder eben miss­ge­stal­tet blei­ben), aber das än­dert für den Mo­ment nichts an dem trau­ri­gen Prin­zip. Viel schlim­mer als die Weh­mut mei­ner Er­in­ne­rung an lang­sa­me­re Zei­ten ist, dass sol­ch kur­ze Auf­merk­sam­keits-Span­nen zu sys­te­mi­scher Nor­ma­li­tät ge­wor­den sind.

Viel­leicht ist es ja die­ses Ab­schmel­zen der Auf­merk­sam­keit, das zum schwer­wie­gen­de­ren Pro­blem üp­pi­ge­rer Me­di­en wer­den wird, viel­leicht geht das ja auf Sicht gar nicht mehr, dass man län­ge­re Tex­te an­bie­tet, oder sper­ri­ge­re, viel­leicht las­sen es zu­neh­mend atem­lo­ser wer­den­de Zei­ten gar nicht zu. Twit­ter, Ins­ta­gram und Kol­le­gen, ich weiß nicht ge­n­au ob sie Ur­sa­che sind oder Wir­kung, aber das ist auch nicht re­le­vant – zu­min­dest sieht es so aus, als hät­ten jün­ge­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­markt­teil­neh­mer sich längst in Hoch­ge­schwin­dig­keits­zei­ten ak­kli­ma­ti­siert. Und lang­sa­mer wird es so schnell nicht mehr wer­den: Bis zu dem Zeit­punkt, als ich das Wer­be­ban­ner für eine App sah, die in der Lage sein soll, mei­ne snap­chats zu spei­chern, wuss­te ich nicht ein­mal, was snap­chat über­haupt ist. Scheint dem zu äh­neln, was ich es als SMS ken­ne, oder MMS, mit dem Un­ter­schied, dass die Re­zep­ti­on ein­ma­lig bleibt: Da kommt et­was an, man sieht es, und dann ist es weg.

Mo­der­ner geht es kaum mehr.