Om­ni­po­tenz i.G.

»Wir wer­den in gro­ßem Um­fang Wer­te schaf­fen für Ak­tio­nä­re,« sagt da ei­ner, Om­ni­com und Pu­bli­cis fu­sio­nie­ren zu God­zil­la. Tho­mas Koch schimpft, sol­che Zah­len ma­chen Angst: Bör­sen­wert 27 Mil­li­ar­den Euro, 18 Mil­li­ar­den Euro Um­satz, 130.000 Mit­ar­bei­ter in über 2400 Agen­tu­ren, ein paar dut­zend mehr oder we­ni­ger sind schon lan­ge egal. Da ist ein Mons­ter im Wer­den, das zu je­nen Mar­ken und Her­stel­lern passt, die die Welt vor al­lem auf eine Art ha­ben möch­ten: gleich. Im dop­pel­ten Wort­sinn.

»Wach­sen oder Ster­ben«, die­ses Man­tra hat mir noch nie­mand schlüs­sig er­klä­ren kön­nen – selbst mei­nem Freund Chris­to­ph ge­lang das nicht, Un­ter­neh­mens­be­ra­ter und zu­stän­dig für gro­ße Ka­li­ber, er gab sich Mühe und tut das bei je­dem Tref­fen er­neut. Was ich ihm bis­her nicht ver­ra­ten habe – es ist vor al­lem mein Wol­len, das sich wi­der­setzt, an schlich­te buch­hal­te­ri­sche Lo­gik mag ich ein­fach nicht glau­ben. Ob­wohl ich mir manch­mal wün­schen wür­de, sie we­nigs­tens zu be­herr­schen, dann lie­ße sich viel­leicht in ma­the­ma­ti­schen Mo­del­len be­le­gen, was im­mer nur Bauch­ge­fühl bleibt, dass näm­li­ch über all die Pha­sen der Ge­win­ne und des Wachs­tums in die­sem Pro­zess am Ende vor al­lem Ver­lus­te ste­hen: An Viel­falt, an Krea­ti­vi­tät, an Le­bens­qua­li­tät, an al­len Ecken und En­den. Und sum­miert, ganz am Ende und un­ter al­len Stri­chen, viel­leicht eben so­gar auf mo­ne­tä­re Wei­se.

War­um Angst, wenn es doch eine na­tür­li­che Ent­wick­lung ist? Weil die Markt­mäch­te von sol­chen Kon­struk­tio­nen ge­wal­tig sind, und in alle Rich­tun­gen wir­ken: Ob un­ter die­sen Um­stän­den Me­di­en nicht in noch grö­ße­rem Tem­po Frei­hei­ten ein­bü­ßen wer­den, auch und vor al­lem re­dak­tio­nell, das wird kaum je­mand ernst­haft be­zwei­feln. Pro­duk­te, Wer­bung, In­for­ma­tio­nen, al­les ein Ein­heits­brei, das wird nie­man­dem wirk­li­ch schme­cken, und also je­dem. Viel­leicht ist ja das noch das letz­te, was stört: Ge­schmack.

Ich wün­sche mir eine Ge­gen­ent­wick­lung – hin zu mehr In­di­vi­dua­li­tät und Viel­falt, auch un­ter den Agen­tu­ren. Und ei­gent­li­ch glau­be ich auch dar­an, dass es wie­der so kom­men wird. Von un­ten, ganz klein, und nicht schnell. Wie da­mals, das mit den Säu­ge­tie­ren, als die Welt für die Rie­sen zu klein wur­de.