Nach­ruf

Ich möch­te mit dem Fa­zit be­gin­nen, denn ich be­fürch­te, dass die­ser Text aus­ufern wird und zer­fa­sern, und dass mir der Ge­dan­ke, aus dem er ge­bo­ren wur­de, ver­lo­ren ge­hen wird auf auf die­sem Weg: Das, was wir er­le­ben, ist kei­ne Kri­se der Zei­tung und kei­ne der Ver­la­ge, es geht nicht dar­um, dass noch kei­ne neue Form ge­fun­den wur­de in sich ver­än­dern­den Zei­ten, es geht auch nicht um neue Kon­zep­te: Selbst, wenn wir noch ein paar Jah­re der Ago­nie er­le­ben wer­den und be­ob­ach­ten, auch wenn es noch ein biss­chen dau­ern mag, so ist doch die Li­nie er­kenn­bar, wenn man nicht mehr weg­erklä­ren will und sich dem Of­fen­sicht­li­chen stellt: Das Schrei­ben für Geld ist vor­bei. Man wird mit Tex­ten in je­ner di­rek­ten Ho­no­rar­form, wie wir sie ken­nen, sein Le­ben nicht mehr be­strei­ten kön­nen. Das war ein­mal. Das Ges­tern von mor­gen, das hat vor ein paar Jah­ren be­gon­nen, ich habe das nur nicht se­hen kön­nen, und nicht wahr­ha­ben wol­len.

Ich habe nie mit dem Schrei­ben mein Geld ver­dient, auch wenn ich mich manch­mal da­nach ge­sehnt habe. Ich stell­te es mir schön vor, nach­zu­den­ken und zu re­cher­chie­ren, Ge­schich­ten zu er­zäh­len und neue Be­schrei­bun­gen für Din­ge zu fin­den, Zu­sam­men­hän­ge fühl­bar zu ma­chen und so wei­ter, und all das in ei­ner Form, die es je­nen An­de­ren er­mög­licht, eine neue Per­spek­ti­ve ein­zu­neh­men. Das zu tun, und da­für be­zahlt zu wer­den, das war für mich im­mer eine Vor­stel­lung die je­ner äh­nel­te, die ich als jun­ger Mann un­ter Du­schen hat­te, mit mei­nen Freun­den, und in den Träu­men, das Fuß­ball­spiel so weit zu per­fek­tio­nie­ren, dass man da­von wür­de le­ben kön­nen. Nun geht es schon los, das Aus­ufern, aber ich wer­de ver­su­chen, noch für ei­nen Mo­ment zu­rück­zu­fin­den zu je­ner Trau­er, der mich seit ei­ni­gen Ta­gen be­wegt.

Die Kos­ten­lo­sig­keit im In­ter­net ist ir­rever­si­bel. Es wird kein An­ge­bot mehr ge­ben, in dem ein Text be­zahlt wird, schon gar nicht mit Freu­den. Wir ha­ben uns ent­fernt von den Tex­ten und sind in ei­nem an­dern Zu­stand ge­lan­det, je­nem der Kom­men­tar­ge­sell­schaft. Das Zen­trum ist uns ver­lo­ren ge­gan­gen und dient nur noch dem gu­ten Grund, der Text steht nicht mehr für sich, son­dern mu­tiert zum An­ker für das Ei­ge­ne. Per­spek­ti­visch und pro­je­ziert auf die Jah­re nach uns wird das schlüs­si­ger­wei­se dazu füh­ren, dass es nicht mehr die Tex­te sind, für die wir be­zah­len in Zei­tun­gen und Ma­ga­zi­nen, in Bü­chern und so fort, son­dern wir wer­den be­zah­len für die In­fra­struk­tur, die uns eine Teil­ha­be er­mög­licht an der Mei­nungs­äu­ße­rung, und tie­fer: am Sein. Der Kom­men­tar ist der neue Text, das neue Zen­trum, Wor­te im Hur­ri­ca­ne, eine rie­si­ge Wind­ho­se in Re­so­nanz um ein stil­les Zen­trum, im Auge all des­sen wird al­les aus­tausch­bar und da­mit egal. Der Text spielt kei­ne Rol­le mehr.

Auch wenn sobooks noch gar nicht ge­öff­net hat, ich kaum et­was dar­über weiß und nur ahne, wo­hin sich die­ses neue Mo­ne­ta­ri­sie­rungs­por­tal be­we­gen wird, so bin ich doch der fes­ten Über­zeu­gung, dass sein Zen­trum der Kom­men­tar ist, und eben je­ner in Mas­sen auch Grund­la­ge für die Geld­wer­dung. Das so­zia­le Le­sen als Grund­la­ge für eine neue Wäh­rung, Auf­merk­sam­keit in Zah­len­form, das ist per­fekt für Wer­bung. Ich weiß nichts über all das, aber ich wet­te, dass es so kom­men wird.

Al­les stirbt. Al­les wird neu.