J.

Sie er­zähl­te Ge­schich­ten von ih­rem Kind und aus ei­ner Rea­li­tät, die so voll­kom­men an­ders war, als die ge­wohn­te ei­ge­ne. Manch­mal muss­te ich schmun­zeln, weil ihr Kind und sein An­ders­sein mei­nen ei­ge­nen Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten je­den Bo­den ent­zog. Das moch­te ich, im­mer. »Ei­gent­lich ist schon das At­men zu viel ver­langt«, schreibt sie nun, es ist ein Nach­klang zum Tod ih­res Kin­des. Das trifft es gut, denn die Kraft des Le­bens zeigt sich wohl auch dar­in, dass Men­schen es schaf­fen, sich nicht selbst auf­zu­ge­ben selbst dann, wenn sie es ei­gent­lich wol­len.

Ich ken­ne sie nicht wirk­lich, oder eben nur so, wie man je­man­den kennt, der auch schreibt und das in ei­nem Um­feld tut, in dem man sich eben­falls be­wegt. Und doch be­rührt es mich sehr, aus den un­ter­schied­lichs­ten Grün­den. Ei­ner der we­ni­ger wich­ti­gen ist der Ver­lust ei­ner Ge­mein­schaft, die mir für ei­ni­ge Jah­re sehr viel ge­ge­ben hat, da­mals, als Blogs noch das neue gro­ße Ding wa­ren.

Er­in­ne­re mich noch an das Stau­nen über Twit­ter, das ganz neu war und voll­kom­men un­lo­gisch, 140 Zei­chen, wozu soll­te das gut sein? Wir ha­ben uns den­noch un­se­re Na­men ge­si­chert, wie bei all den an­de­ren Diens­ten, die folg­ten. Man weiß ja nie. Wenn ich zu­rück­schaue, kann ich gar nicht ge­nau sa­gen, ob es die Ma­cher von Twit­ter wa­ren und ihre Gleich­ge­sinn­ten, die al­les Fol­gen­de los­tra­ten, oder ob sie schlicht viel wei­ter wa­ren in ih­rem Den­ken und der Ein­schät­zung, was die Ent­wick­lung des Net­zes, der so­zia­len Me­di­en, des Seins und Ver­hal­tens der Men­schen be­trifft.

Mir kommt es vor, als sei ich aus mei­nem Dorf ver­trie­ben wor­den, wo je­der sich kennt, wohl wis­send, dass die Welt grö­ßer ist, aber die Ge­mein­schaft auch zu so et­was wie ei­nem Ge­fühl di­gi­ta­ler Hei­mat führ­te. Al­les war lang­sa­mer, im Grun­de ver­netz­ter in sei­nem Wech­sel­spiel von Le­sen und Schrei­ben, Teil­ha­be und Kom­men­tar. Die Welt ist kür­zer ge­wor­den und schnel­ler, und in al­len wach­sen­den Mög­lich­kei­ten und Chan­cen hat sich gleich­zei­tig das Flüch­ti­ge breit ge­macht, es hat Be­sitz von uns er­grif­fen und die Funk­tio­na­li­sie­rung der In­ter­ak­ti­on wird so klar wie nie zu­vor.

Sie be­dankt sich für die An­teil­nah­me, auch in Tweets. Und ich muss schlu­cken.