Die Rück­kehr des Au­gen­blicks

Jetzt also auch In­sta­gram, die ge­spon­ser­ten Links – Wer­bung darf heu­te ja so nicht mehr hei­ßen – wer­den in der Bil­der­welt Ein­zug hal­ten. Nicht heu­te oder mor­gen, man lässt sich Zeit und der Com­mu­ni­ty. Mein Stream ge­hört mir, so ist es zwar nicht, aber es fühlt sich so an – Wer­bung be­tritt also frem­des Ge­biet, An­zu­klop­fen scheint da nur ver­nünf­tig: In dem Fir­men­blog wird vor­an­ge­kün­digt, ganz sanft, ein ers­tes Mo­tiv soll zei­gen, in wel­che Rich­tung es geht.

Das ist pfif­fig auf viel­fäl­ti­ge Wei­se. Nicht nur, dass In­sta­gram so zu­min­dest das Ge­fühl ver­mit­telt, Nut­zer früh­zei­tig zu in­for­mie­ren und sich nicht auf über­heb­li­che Wei­se über ihre Be­find­lich­kei­ten hin­weg­zu­set­zen, son­dern auch, weil der rei­ne Form­fak­tor span­nend wer­den könn­te.

Die Bei­spiel­an­zei­ge ist re­du­ziert und qua­si ohne jeg­li­che In­for­ma­ti­on. Ein schö­nes Foto, kaum mehr, und aus werb­li­cher Sicht wird es in­ter­es­sant sein, zu be­ob­ach­ten, wie die rea­len »An­zei­gen« aus­se­hen. Im schnel­len Scrol­len durch die Rei­he der Bil­der wird es ja nur ei­nen Au­gen­blick ge­ben, die Auf­merk­sam­keit zu bin­den, und das auf solch aus­rei­chend at­trak­ti­ve Wei­se, dass tat­säch­lich In­ter­ak­ti­on ent­ste­hen kann. Ein biss­chen er­in­nert das an die An­for­de­run­gen der Groß­flä­che, auch hier ist der Rah­men der Re­zep­ti­on eng ge­steckt.

Ich glau­be nicht, dass das auf ei­ner text­li­chen Ebe­ne funk­tio­nie­ren wird, zu sehr sind In­sta­gram und die lo­ka­len Seh­ge­wohn­hei­ten dem Bild ver­schrie­ben. Also wer­den ganz neue Wege zu ge­hen sein: Gute Fo­tos; Mo­ti­ve, die stut­zig ma­chen. Ei­gent­lich – und wenn man sich frei­ma­chen kann von dem Un­mut ge­gen­über Wer­bung per se – eine Struk­tur, die für den Be­trach­ter ei­nen Mehr­wert bie­ten könn­te, wie es Wer­bung im Grun­de ja im­mer tun soll­te. Bei In­sta­gram ist das noch mehr Be­din­gung, sonst ist der Au­gen­blick schnel­ler vor­bei als ein Finger­wisch.