BDZV, ENPA

Ich ver­ste­he die Zei­tungs­ver­le­ger­ver­bän­de nicht, und im Grun­de fällt mir zu ih­ren Kür­zeln nur ein pas­sen­des aus mei­ner Kind­heit ein: DBDDHKP. Die Äl­te­ren wer­den sich er­in­nern, den Jün­ge­ren er­spa­re ich die Lang­form.

Nun je­den­falls for­dern sie Pla­nungs­si­cher­heit, die Zei­tungs­ver­le­ger. War­um sie das tun, bleibt mir schlei­er­haft, den Zeit ge­nug hat­ten sie, sich um die ei­ge­nen Pla­nun­gen zu küm­mern. Selbst wenn nie­mand un­ter ih­nen be­son­ders vi­sio­när ge­we­sen sein soll­te, eine De­ka­de zu­min­dest wäre als Vor­lauf für die Bil­dung neu­er (und ei­ge­ner!) Struk­tu­ren drin ge­we­sen. Man kann sich über die­se fort­lau­fen­den Ver­säum­nis­se är­gern, als Ver­le­ger, aber den Är­ger so plump an an­de­ren fest­zu­ma­chen, das ist un­be­greif­lich.

Die Furcht scheint zu stei­gen vor den sich nun her­aus­bil­den­den neu­en Struk­tu­ren, die fremd­ge­schaf­fen sind, und so wer­den die For­de­run­gen dreis­ter, Ap­ple soll der böse Bube sein und ge­ra­de­ste­hen für all das:

»Be­reits am Mon­tag hat­te der eu­ro­päi­sche Zei­tungs­ver­le­ger­ver­band (ENPA) Ap­ple auf­ge­for­dert, den Me­di­en­häu­sern bei ih­ren An­ge­bo­ten für das iPad kein be­stimm­tes Ge­schäfts­mo­dell vor­zu­schrei­ben. Die Zei­tungs­ver­la­ge soll­ten die Frei­heit ha­ben, das von ih­nen be­vor­zug­te Be­zah­lungs­sys­tem für In­hal­te auf dem iPad aus­zu­wäh­len und den Preis selbst fest­zu­le­gen.«

Ja nee, schon klar. Es geht um Hard­ware, die Ap­ple pro­du­ziert, eine Platt­form, die Ap­ple ent­wi­ckelt hat, ei­nen Ver­triebs­weg, den Ap­ple bie­tet, eine In­fra­struk­tur, Band­brei­te, al­les wird von Ap­ple zur Ver­fü­gung ge­stellt. All das kann man nut­zen, als Ver­le­ger. Aber man muss nicht. Macht ei­ge­ne Abo-Mo­del­le, ver­kauft Eure In­hal­te in den von Euch ge­wünsch­ten For­men, Web, PDF, ei­ge­ne Ent­wick­lun­gen, was und wie auch im­mer, aber macht es Euch doch selbst! Statt des­sen zu for­dern, das ein an­de­rer all das bie­ten und leis­ten soll, und all das eben ohne Ho­no­rar, das ist schlicht dreist.

Man stel­le sich vor, ein sol­cher Ge­dan­ke wür­de auf kon­ven­tio­nel­le Ver­triebs­we­ge (die im üb­ri­gen be­züg­lich der Mar­ge kei­nes­wegs güns­ti­ger für die Ver­la­ge sind) über­tra­gen. Kein Geld für den Fah­rer, der die Zei­tun­gen zum Ki­osk bringt, kein An­teil für die La­den­be­sit­zer, und der Zei­tungs­jun­ge fährt die Blät­ter aus rei­ner Freu­de und eben­falls kos­ten­los aus. Hal­lo?

Man kann von der al­les ver­schlin­gen­den Ten­dez zum Kos­ten­lo­sen, hin­ter der sich eine Ten­denz zur Wert­lo­sig­keit ver­birgt, hal­ten, was man will. Dass die Ver­le­ger­ver­bän­de in solch po­pu­lis­ti­schem Ton an Ap­ple her­an­tre­ten, zeugt von Pa­nik.