Pin­te­rest

Ei­gent­lich steht hin­ter Pin­te­rest ja die ding­li­che Welt, wir sol­len uns all das ge­gen­sei­tig zei­gen, was wir mö­gen und ger­ne be­sä­ßen, kau­fen oder ger­ne kau­fen wür­den. Durch Ko­ope­ra­tio­nen mit On­line-Shops und hin­ter­leg­ten Af­fi­lia­te-Links soll ein durch das Ge­zeig­te in­iti­ier­ter Kauf auch Geld brin­gen. Das ist nicht böse, son­dern le­gi­tim, es gibt schlim­me­re Wege, die Leis­tun­gen von Crowds zu mo­ne­ta­ri­sie­ren.

Lan­ge hat­te ich dort zwar ei­nen Ac­count, aber die­ser blieb un­be­lebt. Ich konn­te mit dem Grund­kon­zept nicht viel an­fan­gen, kau­fe sel­ten und dann nur Not­wen­di­ges, be­we­ge mich un­gern in ding­li­chen Sehn­süch­ten. Ur­säch­lich sind eher prak­ti­sche Grün­de als eine kon­zep­tio­nel­le Hal­tung, es fehlt schlicht am not­wen­di­gen Geld. Erst spät habe ich be­grif­fen, dass al­les ganz an­ders ist, und sich auf die­ser Sei­te ganz vie­le Men­schen tum­meln, die auf­fäl­lig Schö­nes sam­meln – und in den Be­rei­chen, de­nen ich fol­ge, ist all das prin­zi­pi­ell nur äu­ßerst sel­ten auch tat­säch­lich käuf­lich, statt des­sen Ent­wür­fe, Ge­stal­tun­gen, An­zei­gen und Fil­me, Ty­po­gra­fie und De­sign, ein Sam­mel­be­cken für die Fund­stü­cke aus den üb­li­chen Quel­len, von all je­nen Sei­ten, die über all je­nes be­rich­ten, ver­sam­melt an die­sem ei­nen Ort.

Da ist auf­re­gend und macht mir fort­lau­fend gro­ße Freu­de, es tut gut, im­mer wie­der auch die an­de­re Sei­te zu se­hen, ne­ben der all­täg­lich über­wie­gen­den viel­köp­fi­gen Häss­lich­keit auch das Am­bi­tio­nier­te, Kom­pro­miss­lo­se, in­tel­li­gen­te und krea­ti­ve, Ar­bei­ten von Men­schen, die ein paar Schrit­te wei­ter ge­hen als nur bis zur nächs­ten Bord­stein­kan­te. Auch die Ge­schwin­dig­keit ge­fällt mir, in der ich all das an mir vor­bei­zie­hen las­sen kann; das Trei­ben­las­sen durch den gro­ßen Fluss; das Hüp­fen quer durch alle Ka­te­go­ri­en; die Ver­wei­se auf all das An­de­re, das jene mö­gen, die auch die­ses Eine moch­ten; die sich über­la­gern­den Zwie­bel­schich­ten mei­ner Klicks durch die­se Welt.

Ein biss­chen ist es viel­leicht auch der Form­fak­tor, der mir das zum Ver­gnü­gen macht. All die­se klei­nen Dar­stel­lun­gen, das ist per se nied­lich, und es er­in­nert mich an den Um­stand, den sich die meis­ten Ge­stal­ter zum Vor­teil ma­chen, dass auch noch die mie­ses­te Ent­wurf eben hübsch aus­sieht, wenn er nur klein ge­nug ist, ein paar Sei­ten zu­sam­men­ge­fasst auf Grau, eine An­zei­ge oder ein Co­ver, das war im­mer schon schön, selbst da­mals, auf Pap­pen.

Die Prä­sen­ta­ti­on be­kommt zu­neh­mend Ge­wicht in den heu­ti­gen Zei­ten und das Prin­zip setzt sich fort auch in der di­gi­ta­len Ge­stal­tung. Jene Mock­ups von Apps (was für eine selt­sam neue Be­griff­lich­keit, vor ein paar Jah­ren hät­te ich nicht im An­satz ge­wusst, was das be­deu­tet), die vor al­lem durch die Art ih­rer Prä­sen­ta­ti­on glän­zen – man­che in Form ei­ner Ex­plo­si­ons­zeich­nung, ma­che um das Ge­rät ge­wi­ckelt, auf dem sie lau­fen sol­len, kaum je­mand hat den Mut, eine rah­men­lo­se Ge­stal­tung zu zei­gen.

Welch ein zu­sam­men­hang­lo­ser Text. Aber es ist eben auch die­ses Durch­ein­an­der in mir, das ich so mag, wenn ich mich ein biss­chen auf Pin­te­rest be­wegt habe.